Ein Garten für Gourmets

Meike Schulte öffnet die Pforten ihres Grundstücks am Fuße des Löhbergs

Wümme-Zeitung vom 24.07.2006

Wilstedt (Klaus Göckeritz). Sorgfältig gestutzter Rasen, sparsam bestückte Beete und strenge Kanten? Das ist überhaupt nichts für Meike Schulte. Sie hat von einem Garten am eigenen Haus andere Vorstellungen. Da darf der Grünkohl in einer Staudenrabatte neben Mangold oder Rote Bete stehen. Da darf man fünf schon mal gerade sein lassen, wenn es dem Ziel eines bunten und abwechslungsreichen Refugiums dient. Die Besucher konnten sich einen eigenen Eindruck verschaffen. Die Diplom-Ingenieurin für Landschaftsarchitektur öffnete jetzt in Wilstedt die Pforten im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Schöne Gärten in der Samtgemeinde".


"Ich will in diesem Garten keine üblichen und allseits bekannten Standards wiederholen, sondern meine eigenen Vorstellungen verwirklichen", sagt die Wilstedterin. Vor zwei Jahren startete sie ihr Projekt und seitdem verändert sich das 600 Quadratmeter große Areal unaufhörlich. Warum soll man Kräuter, Stauden und Gemüse nicht in einer Rabatte unter einen Hut bringen, fragt sich die Naturliebhaberin und greift munter in die Pflanzenkiste.


Zu ihrem Erlebnisfeld gehören neben Sommerblühern, Katzenminzen und Lavendel auch eine Kräuterspirale mit mediterranen Gewächsen und heute eher unbekannte Kräuter wie der Gute Heinrich und die Knoblauchsrauke. Neben Gemüse und Kräutern zählen auch essbare Blüten und Stauden zur Erlebniswelt am Wilstedter Dorfrand.


"Der Nutzgarten wird einerseits zum Ziergarten und andererseits zum Gourmetgarten", erzählt Meike Schulte. Anregungen erhält sie zusätzlich von einem Nachbarn. Conrad Bölicke lädt in jedem Mai zu den Olivenölabholtagen ein und pflegt darüber hinaus gute Beziehungen zu den Köchen der Essbaren Landschaften aus Boltenhagen an der Ostsee. So kommt es vor, dass Mitbringsel aus Mecklenburg-Vorpommern in der Wilstedter Erde eine neue Heimat finden.


Schlechte Erfahrungen gehören auch dazu. Es gibt Pflanzen, an denen sie wenig Freunde hatte und die den Schulte'schen Garten deshalb schleunigst verlassen mussten. Hirschhornwegerich gehört dazu, der sich wie das vielzitierte Unkraut vermehrt habe. Dazu Blutsauerampfer, der regelmäßig von Heerscharen von Blattläusen besiedelt wurde.


Auch bei den Gestaltungselementen geht Meike Schulte eigene Wege. Sie verarbeitet Klinkersteine aus einer ehemaligen Dorfstraße und Sandsteinplatten, die sie im Laufe der Zeit abgestaubt habe, wie sie am Rande der bunten Rabatten erklärt. Sitzgelegenheiten weisen darauf hin, dass man in solchen Gärten durchaus auch die Seele baumeln lassen kann. Professionell will die Wilstedterin ihren Garten am Fuße des Löhbergs nicht vermarkten. Einige Kräuter verwendet sie in der Küche, ansonsten sei die Gartenarbeit ein ebenso schöner wie entspannender beruflicher Ausgleich. Wer sich interessiert, erhält unter der Telefonnummer 04283/609038 weitere Infos.