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Betagtes entwickelt im Garten jugendlichen Charme Experimentierfreudige Wilstedterin Meike Schulte will bewahren, "was verloren zu gehen drohte" - Besucher willkommen |
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Zevener Zeitung vom 20.08.2005 |
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Wilstedt (gbk). Kapuzinerkresse erklimmt ausgemusterte Weidezaunpfähle, die Meike Schulte wie eine Reihe Statuen aufgestellt hat. Einem ausgedienten Ascheeimer verhilft eine Glockenblume, die aus seinem geöffneten Deckel sprießt zu einem neuen Innenleben. Alte Wanderschuhe, am Gartenweg abgestellt, werden vom Hauswurz besiedelt. Und die betagte Gießkanne, mit Polsterphlox bepflanzt, ruht sich vom Wassertragen am Beetrand aus.
Verkehrte Welt im Wilstedter Schaugarten (Am Löhberg 2) der diplomierten Landschaftsarchitektin Meike Schulte? Eher Hinweise darauf, dass manche Dinge, die man für verbraucht hält, einen verblüffenden Charme gewinnen, wenn man ihnen - wie die 29-jährige Wilstedterin - eine neue Funktion zutraut. Wie dem roten Klinkerpflaster, in den 50er Jahren noch Straßenbelag, das nun ein Mosaik aus rotem, weißem und blauem Marmorkies umrahmt. Oder den aufgesammelten Feldsteinen, die den Rindenmulchpfad im Zaum halten.
Eine Renaissance verschaffte die experimentierfreudige Gartenplanerin auch einer angerosteten Unkrauthacke. Die thront nun als Spitze auf einer Pyramide aus schlichtem Baustahl und soll eine Clematis nach oben locken. "Sie will aber noch nicht so recht", meint Meike Schulte und entschuldigt die Kletterpflanze sogleich: "Ich habe ja auch erst im Frühjahr mit der Gartenanlage begonnen."
Wer im Mai die Wilstedter Olivenöl-Abholtage besuchte, konnte die Anfänge dieses Gartens verfolgen und auf einer "Aktionsbaustelle" Meike Schulte beim Pflastern über die Schulter sehen. Im Jahr zuvor hatte alles mit einer Kräuterspirale begonnen, die sie als Ausstellungsobjekt auf dem Grundstück ihres Nachbarn und Olivenöltage-Veranstalters Conrad Bölicke errichtete. Im Austausch mit dem "arteFakt"-Unternehmer Bölicke entwickelte die 29-jährige das Konzept eines Gourmetgartens, der im Laufe der Jahre auf rund 700 Quadratmetern hinter dem Bauernhaus Am Löhberg 2 entstehen soll. Und zwar als Schaugarten ihres Planungsbüros "ideen in grün".
Grundidee dieses Konzepts ist eine moderne Version des englischen Cottagegartens: eine üppige Kombination von Nutz- und Zierpflanzen - mit einer Vorliebe für humorvolle Details und einfache Materialien. "Ein interessanter Garten muss nicht teuer sein", versichert Meike Schulte. "Im Gegenteil: Ein kleines Budget macht erfinderisch. Man muss nicht alles neu kaufen. Altes hat sogar oft mehr Charakter, das lebt irgendwie."
Sie hebt in ihrem Gourmetgarten ebenso die Schönheit der Kräuter und Gemüse hervor wie deren einzigartiges Aroma. "Geschmack und Wissen, das verloren zu gehen drohte", möchte sie bewahren helfen. Konsequent pflanzte sie alte Obstsorten wie den Apfel "Goldrenette von Berlepsch" und eine Quitte.
Im Schatten unter der alten Haselnuss bereiten sich Knoblauchsrauke, Portulak, Schild- und Gemüseampfer auf ihr Ende in der Salatschüssel vor, während Guter Heinrich wie Spinat verzehrt werden will. Vor der Ernte leisten ihm Akelei, Anemone, Farn und Funkien im Beet Gesellschaft. Auf kleinen Namensschildern werden alle vorgestellt.
Oberhalb der Trockenmauer des Senkgartens - auch er englische Tradition - wachsen Walderdbeeren. In der Reifezeit verführen sie zum bequemen Naschen im Stehen. Gegenüber Hirnhornwegerich. "Der schmeckt leicht salzig", beschreibt Meike Schulte. "Neben dem Sitzplatz im Senkgarten stelle ich mir bewegtes Wasser mit einem Sprudelstein vor", freut sie sich auf die nächste Bauphase. Wer mit dem Gucken nicht bis zu den Olivenöl-Abholtagen 2006 warten möchte, so Meike Schulte, der komme einfach mal vorbei. |
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